Sonntag, 31. Juli 2011

14. Tag – Eiskalt erwischt

Start bei km 4322

Wie es geplant ist, bin ich heute morgen zum Brigsdalsbreen gefahren.
Nachdem schon sehr zeitig alles verpackt ist, beginnt der Aufstieg ab dem Parkplatz gegen viertel nach neun. Zunächst führt ein steiler Geröllweg nach oben.

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Alternativ könnte man auch den langen Weg über die Schotterpiste nehmen können, auf denen die Gletschertaxis verkehren.

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Eine Stunde Fußmarsch muss man einplanen, bis man zum Gletschersee gelangt. Bis an den Gletscher heran kommt man aus Sicherheitsgründen nicht, denn es ist immer mit Eisabbrüchen oder Gerölllawinen zu rechnen. Ein “kleinerer” Eisbrocken ist während meines Aufenthaltes dort abgestürzt und das rumpelte schon gewaltig.

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Bis zum Gletscher heute sind es 15 min strammer Fußmarsch
Es war gut, so früh zum Gletscher zu wandern, denn auf dem Rückweg kommen mir Scharen von Touristen entgegen. Danach genieße ich die Abfahrt durch das Brigsdal, denn der Sonnenschein läßt alles im strahlenden Licht erscheinen. Ein wirklich wunderschönes Tal. Unten der Gletscherfluß mit vielen Seen zwischen grünen Hängen und über die Bergkanten lugt an vielen Stellen der Gletscher ins Tal.

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Zurück im Nordfjord geht es links ab in Richtung Utvik und dort das Vatedalen hinauf.

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An einem Rastplatz auf der Höhe genieße ich den schönen Tag bei einem frisch gebrühtem Kaffee und schreibe dabei die Postkarten, welche ich seit Lom mit mir spazieren fahre.

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Nach 1,5 h Sonnenbad finde ich in Skei ein Sonntags geöffnetes Geschäft und kann mich für den Abend eindecken.
Das später durchquerte Gaularfjellet hat bei Mel eine sehr flüssig zu fahrende Serpentinenabfahrt.

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Kurz darauf befinde ich mich schon in Dragsvik, um mit der Fähre nach Hella überzusetzen.

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Nun geht es am Ufer des Sognefjorden entlang bis Sogndalsfjøra,

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wo ich mich auf dem dortigen Campingplatz einquartiere. Die in der Nähe befindliche Bank nehme ich in Beschlag, indem ich sie vor mein Zelt zerre.

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Kurz vor der Ankunft aktiviere ich die achte und damit letzte vorprogrammierte Route im Navi, welche mich in einer großen Schleife nach Bergen zum Fährhafen leiten wird.
Das bedeutet leider auch, dass sich diese erlebnisreichen zwei Wochen langsam dem Ende nähern. Doch bis die Fähre ablegt, bin ich noch gute zwei Tage unterwegs.

Samstag, 30. Juli 2011

13. Tag – Der schönste aller Fjorde

Start bei km 4236

Der Tag fängt gut an. Es ist nur bewölkt, mit der Tendenz zum schöner werden. Das Zelt kann ich fast trocken verpacken.

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Es geht in Richtung Geiranger.
Bei der Ankunft auf der Höhe verhüllt sich das Tal noch im Dunst, doch auf den Serpentinen nach unten gibt er den Blick auf das Dorf Geiranger frei.

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Am Ende des Fjords liegen zwei mächtige Passagierschiffe auf Reede. Die AIDAblu und die Queen Elizabeth.

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AIDAblu
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Queen Elizabeth
   
Eine Fjordfähre liegt auch am Pier fest, also habe ich kurzentschlossen das Motorrad geparkt, die Filmausrüstung mitgenommen und buche eine Fahrt hin und zurück durch den Geirangerfjord. Eine Richtung dauerte eine Stunde und es gibt Erklärungen zu den Wasserfällen und den alten Berghöfen in mehreren Sprachen.

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Der Freier
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Die sieben Schwestern
   
Auch wenn die Fahrt durch den Geirangerfjord sehr sehenswert und interessant ist, hätte eine Richtung gereicht. Doch mein Mopped steht noch in Geiranger und damit will ich anschließend hoch auf den Dalsnibba.
Nachdem ich mich auf der anderen Seite des Tals die Serpentinen hochgearbeitet habe,

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Geirangerfjord
kommt schon bald der Abzweig auf den Dalsnibba. Am Anfang ist jedoch erst mal Maut zu entrichten und das nicht zu knapp. 100 NKR wollen diese Wegelagerer für die Benutzung mit Motorrad. Dafür werde ich jedoch gut entlohnt. Kaum bin ich an der Mautstation vorbei, durchstoße ich die Wolkendecke und habe einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge.

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Der Weg zum Gipfel schlängelt sich über Schotterpisten gute 400m in die Höhe, welcher in den Spitzkehren eher einem Waschbrett gleicht.
Oben auf 1500 m angekommen befindet sich ein recht überfüllter, asphaltierter Parkplatz und man hat einen tollen Panoramablick über Gipfel, Gletscher und eine dichte, federweiße Wolkendecke in Richtung Geiranger. Denn eigentlich soll man den Fjord von hier aus sehen können.

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Als dann der 8. Bus oben ankommt, reicht es mir und auf dem Weg nach unten lasse ich drei weitere Busse passieren.
Unten wieder angekommen geht es in Richtung Olden und dort ins Brigsdalen.

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Am Ende der Straße lässt sich relativ leicht eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen, der Brigsdalsbreen, erreichen.
Durch meine Fjordrundfahrt fehlen mir jedoch 3 Stunden meiner Zeit und so muss der für heute geplante Ausflug auf den morgigen Tag verschoben werden.
In der Nähe finde ich den Gryta Camping. Eine sehr schöne, terassenförmige Anlage am Seeufer,

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mit mehreren umliegenden Wasserfällen und einem Blick zur Gletscherzunge.

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Brigsdalsbreen

Freitag, 29. Juli 2011

12. Tag – In Richtung Süden

Start bei km 3828

Was für ein Wetter ist  heute morgen? Natürlich Regen. Eigentlich habe ich heute keine Lust aufzustehen, sondern verkrieche mich beim Geräusch der Regentropfen noch tiefer in meinen kuschligen Schlafsack. Doch gegen acht hört der Regen auf. Also raus, frisch machen, frühstücken und meine sieben (-undfünfzig) Sachen packen.
Die Gemeinheit ist, gerade habe ich mein Zelt trocken gewischt, als es schon wieder nass vom Himmel fällt. Egal, das Zelt wird heute Abend schon wieder trocken.
Das nasskalte Wetter ist wahrscheinlich auch das Passende zum befahren der Atlantikstraße. Doch bevor ich dort ankomme, müssen erst noch ein paar Fährpassagen, Tunnel und Brücken bewältigt werden. Darunter ein Tunnel unter dem Fjord hindurch mit 10% Gefälle in beiden Richtungen.

Glücklicherweise wird es ab Kristiansund wieder trocken und ich kann die Atlanterhavsvegen noch mehr genießen.

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Die eine Brücke ist äußerst spektakulär. Man fährt über einen steilen Bogen gen Himmel und wieder zur Erde und das in einer Kurve. Es ist fast wie Achterbahnfahren.

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Insgesamt ist diese Strecke nicht so berauschend, wie die kurvigen, kleinen Sträßchen oben über die Fjelle.
Leider ist dann gen Süden eine Straße gesperrt. In Norwegen bedeutet das manchmal gut 100 km Umweg. Da diese Straße jedoch für mich als Umweg um den Fjord herum gedacht war, muss ich die Abkürzung mit der Fähre nehmen.

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An der Trollkyrkja, einer spektakulären Hölle, bin ich vorbeigefahren. Vom Parkplatz aus sind es 4 km Fußweg mit teilweise noch schwierigeren Passagen als zum Preikestolen. Es ist schon spät am Nachmittag und da würde die Zeit knapp, um einen Schlafplatz zu finden. Es ist zwar lange hell, aber die Rezeptionen schließen meist bis 22.00 Uhr.
Ich suche wieder den Anschluss an meine bisherige Route, d.h. nochmal die Trollstigen hinauf. Doch dieses Mal ist die Wand in dichte Wolken gehüllt, aus denen die Feuchtigkeit quillt.


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Deshalb schnell am Fuß des Anstiegs gestoppt und die Regenpelle übergestreift. Die Fahrt nach oben ist dann auch nicht so toll, denn es ist nass und rutschig. Und da es keine Leitplanken gibt, sondern nur einbetonierte Felsbrocken, zwischen denen ein Motorrad bequem hindurch passt, heißt es die entsprechende Vorsicht walten lassen.
Oben angekommen bin ich mitten in den Wolken und bei eingeschränkter Sicht ist es äußerst ungemütlich. Deshalb geht es gleich weiter das Maledalen und das Valldalen hinab auf der Suche nach einem passenden Campingplatz.

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Der Erste am Gudbrandsjuvet ist zwar freundlich, aber total leer und alle Hütten ledig. Der Grund wurde mir schnell klar; es war keine Ansprechperson vor Ort und man soll erst eine Nummer anrufen, und zum Anderen war das Parken auf dem Gelände nicht gestattet. Deshalb bin auch ich wieder los, nachdem ich mir die dortige Sehenswürdigkeit betrachtet habe.

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Ich finde einen feinen und beschaulichen Platz 10 km weiter im Örtchen Valldal. Zudem ist er recht günstig und ich habe meinen eigenen Tisch.

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11. Tag – Trondheim

Start bei km 3548

Vom schönen Wetter ist heute Morgen nichts mehr zu sehen. Alles grau und vernebelt und bei 13°C packe ich das nasse Zelt ein.

Der Weg nach Trondheim ist mit einigen Umleitungen gespickt und nicht so spektakulär nach den Eindrücken der letzten Tage.
Kurz nach Mittag komme ich dort an und finde die Stadt total überfüllt vor. Ein riesiger Menschenzug bewegt sich in Richtung Dom.

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Es finden die Olavsfestdagene statt.

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Geduldig strömen alle in den Innenhof des Erzbischöflichen Palais (Erkebispegården).

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Hier befindet sich eine große Bühne und viele Mittelalterstände.

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Nachdem ich eine Vafler med Rømme og syltetøy (hmm, lecker) probiert habe, begebe ich mich in die Innenstadt. Auch hier ist jede Menge los. Viele Buden und Zelte sind aufgebaut und ich vermute halb Norwegen ist hier unterwegs.

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Lange halte ich mich nicht auf, denn Motorradkleidung, Menschenmassen und die mal wieder scheinende Sonne bringen mich arg zum transpirieren.

Zurück in den Süden nehme ich den gleichen Weg, denn morgen möchte ich in der Nähe den Atlanterhavsvegen befahren. Diese Straße windet sich entlang der Atlantikküste über 8 Brücken und wurde zum Bauwerk des 20. Jh. gekürt.

10. Tag – Fast ein Traumtag

Start bei km 3155

Kein Regen heute! 

Aber das Zelt ist noch klatschnass. Und die hohe Luftfeuchte macht sich damit negativ bemerkbar. Zu Beginn ist es neblig und den ganzen Vormittag hält es sich bedeckt.
Auf geht es in Richtung Folldal. Die Landschaft rechts und links der Straße ist so beeindruckend, dass ich mit meinen 60km/h fast zum Verkehrshindernis werde. Jedoch tendierte die Anzahl der Fahrzeuge gegen Null.

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Der Übergang vom Rondane zum Folldale Nationalpark erfolgt nahtlos und unmerklich verändert sich die Landschaft von Geröllfeldern mit Flechten und Moosen, über Birkenwälder zu immergrünem Nadelwald.

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Ständig gibt es was zu schauen und zu fotografieren.
Gegen 12.20 Uhr verlasse ich das Schattenland und gelange in das Reich des Lichts. Wie abgeschnitten nur noch blauer Himmel. Es ist wunderbar, wenn nach einer Woche Regenwetter die Sonne zu sehen ist.

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Bei besten Bedingungen gleite ich das Romsdalen hinab,

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lege einen kurzen Stopp am Slettafossen ein

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und erreiche den Abzweig zum Trollstigen. Der Traum eines jeden Motorradfahrers, hier einmal nach oben zu schwingen. Es kann sich leider auch zum Alptraum entwickeln. Wenn gerade ein Kreuzfahrtschiff in der Nähe anlegt und sich ein Schwall von Kreuzfahrern in die bereitstehenden Busse ergießt.

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Nachdem ich fast ohne Behinderung bis nach oben gelangt bin, zähle ich im Bereich der Serpentinen bis zu acht Busse, LKW und massenhaft Wohnmobile. Zeitweise geht auf der größtenteils nur einspurigen Strecke nichts mehr.

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Nachdem ich mich ausgiebig umgesehen habe, entscheide ich, dass noch genügend Zeit bleibt für einen Abstecher zur alten Königsstadt Trondheim. Dazu muss ich den Trollstigen wieder nach unten fahren. Smiley
Dieses Mal erwische ich einen äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Nach oben habe ich vermutlich nur ein fünftel der Zeit benötigt.
In Åndalsnes decke ich mich mit einem Holzfällersteak

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und zwei Bier ein und anschließend geht es in Richtung Norden. Nach zwei Fährfahrten gelange ich zum Camping Valsøya, mit einer kleinen und sehr leeren Zeltwiese und vielen Hütten auf Terassen, welche sich als Vorbau für Campinganhänger von Dauercampern heraus stellen.


Später kommt noch ein Campingbus mit norweg. Kennzeichen auf der Zeltwiese hinzu. Es stellt sich heraus, dass es Auswanderer aus Bayern sind, welche seit einigen Jahren in Bergen ein Anstellung gefunden haben. Wir unterhalten uns bei einem Bier so lange , bis die Dämmerung uns schlafen schickt (gegen 00.00 Uhr). Nachdem ich später von quietschenden Reifen und lauten Gesprächen aus dem Schlaf gerissen werde, ist schon wieder Dämmerung, aber die Uhr zeigte erst 02.00 Uhr. Ich weiß nun nicht, ob es dazwischen mal dunkel wurde.